Konsignationslager in Korea oder Lieferung ab Werk
Ein koreanischer Betreiber fragt, ob Sie Ersatzteile vor Ort bevorraten können. Die Antwort entscheidet häufiger über den Auftrag als der Preis — und sie fällt schwer, weil Bestand Kapital bindet, während eine Lieferung ab Werk Sie aus dem laufenden Geschäft heraushält. Die Wahl ist keine Grundsatzfrage, sondern eine Rechnung je Position.
Warum überhaupt Bestand vor Ort
Bei kontinuierlich laufenden Anlagen wird Stillstand in Produktionsausfall je Stunde gerechnet. Ein Teil, das vier Wochen unterwegs ist, hat eine Risikoposition, die auf dem Papier nirgends steht und in der Bewertung sehr wohl.
Dazu kommt die Abwicklung. Eine Auslandsbestellung über einen kleinen Betrag ist für eine Einkaufsabteilung unverhältnismäßig aufwendig: Einfuhr, Abgaben, Währung, Transport — für ein Teil im dreistelligen Bereich.
Deshalb gewinnt an dieser Stelle regelmäßig die Beschaffbarkeit gegen die Herkunft. Ein gleichwertiges Teil mit zwei Tagen Lieferzeit schlägt das Originalteil mit vier Wochen, ohne dass jemand über Qualität diskutiert.
Die Varianten und was sie kosten
Zwischen "Lieferung ab Werk" und "eigenes Lager in Korea" liegen mehrere Zwischenstufen mit sehr unterschiedlichem Aufwand.
| Variante | Wer trägt das Kapital | Reaktionszeit |
|---|---|---|
| Lieferung ab Werk | Niemand hält Bestand | Wochen |
| Erstbedarf mitverkauft | Der Kunde | Sofort, solange der Vorrat reicht |
| Konsignation beim Kunden | Sie, bis zur Entnahme | Sofort |
| Bestand bei einem Partner | Der Partner oder Sie | Tage |
| Zolllager | Sie, Abgaben erst bei Entnahme | Tage |
Die zweite Zeile wird am häufigsten übersehen und ist die günstigste Lösung für beide Seiten: Der Erstbedarf wird mit der Anlage verkauft, liegt im Lager des Kunden und wird in dessen System angelegt.
Konsignation und was daran zu regeln ist
Bei Konsignation liegt Ihre Ware beim Kunden, bleibt aber Ihr Eigentum bis zur Entnahme. Für den Betreiber ist das attraktiv, weil Verfügbarkeit ohne Kapitalbindung entsteht.
Zu regeln sind vier Punkte, und drei davon werden regelmäßig vergessen. Meldung der Entnahme — wie erfahren Sie davon, und in welchem Rhythmus wird abgerechnet? Bestandsprüfung — wer zählt, wie oft? Schwund und Beschädigung — wer trägt sie? Beendigung — was geschieht mit Restbestand, wenn die Vereinbarung endet?
Der letzte Punkt entscheidet über das Risiko. Ohne Rücknahmeregelung bleibt bei Beendigung Ware an einem Ort liegen, an dem Sie keinen Zugriff haben — und ihr Wert steht weiterhin in Ihrer Bilanz.
Steuer und Zoll bestimmen die Machbarkeit
Ware, die im Ausland lagert und dort verkauft wird, wirft Fragen auf, die vor der Entscheidung geklärt sein müssen und nicht danach.
Die Einfuhr erfolgt, bevor ein Verkauf stattgefunden hat — es ist also zu klären, wer als Einführer auftritt und wer die Einfuhrabgaben trägt. Bei der späteren Entnahme entsteht ein inländischer Umsatz, was eine Registrierung erforderlich machen kann.
Ein Zolllager kann diesen Punkt entschärfen, weil Abgaben erst bei Entnahme fällig werden. Ob das für Ihren Fall passt, hängt von Warenwert, Umschlaghäufigkeit und den Kosten des Lagers ab. Diese Prüfung gehört an den Anfang, weil sie das Modell insgesamt tragen oder kippen kann.
Ein praktischer Zwischenweg ist, den Bestand beim Kunden zu führen und ihn vertraglich an einen Mindestbestand zu binden. Der Kunde kauft, Sie verpflichten sich zur Nachlieferung innerhalb einer Frist, und beide Seiten kennen die Zahlen. Das vermeidet die steuerlichen Fragen der Konsignation und erhält den Effekt auf die Verfügbarkeit — vorausgesetzt, jemand prüft den Bestand regelmäßig.
Welche Positionen überhaupt in Frage kommen
Nicht das gesamte Ersatzteilprogramm gehört ins Lager. Die Auswahl folgt zwei Kriterien.
Das erste ist die Folge eines Ausfalls: Teile, die die Anlage stoppen, gehören vor Ort. Teile, die eine Leistungsminderung verursachen, können warten. Das zweite ist die Verbrauchsrate: Was regelmäßig gewechselt wird, ist planbar und lässt sich mit der Revision bestellen.
Die interessante Gruppe sind Teile mit hoher Ausfallfolge und niedriger Verbrauchsrate. Sie werden selten gebraucht, und wenn, dann sofort. Genau hier ist Konsignation wirtschaftlich sinnvoll — der Bestand bewegt sich kaum und deckt das größte Risiko ab.
Die Rechnung, die vor der Entscheidung steht
Ob sich Bestand lohnt, ist ausrechenbar und wird selten ausgerechnet.
Auf der einen Seite stehen Kapitalbindung, Lagerkosten, Alterungsrisiko und der Aufwand der Bestandsführung. Auf der anderen der Wert der kürzeren Reaktionszeit — und dieser ist nicht Ihr Gewinn aus dem Teileverkauf, sondern die Wahrscheinlichkeit, im Wettbewerb überhaupt spezifiziert zu werden.
Damit verschiebt sich die Betrachtung: Bestand ist selten aus dem Teilegeschäft heraus rentabel, sondern aus dem Anlagengeschäft, das er ermöglicht. Wer ihn nur gegen den Teileumsatz rechnet, kommt fast immer zu einem Nein.
Wie der Bestand richtig dimensioniert wird
Ein zu großer Bestand bindet Kapital, ein zu kleiner löst das Problem nicht. Die Größe folgt aus Verbrauch, Wiederbeschaffungszeit und dem akzeptierten Risiko.
Bei neuen Anlagen fehlen Verbrauchsdaten. Dann bleibt die Schätzung aus vergleichbaren Installationen, und sie wird nach ein bis zwei Jahren korrigiert — nach oben für das, was tatsächlich gebraucht wurde, nach unten für das, was unberührt liegt.
Diese Korrektur unterbleibt meist, weil niemand dafür zuständig ist. Ein jährlicher Blick auf Entnahmen und Liegezeiten ist der Unterschied zwischen einem Lager, das arbeitet, und einem, das nur Kosten verursacht.
Was der Bestand nebenbei bewirkt
Ein Teil, das beim Kunden liegt, ist in dessen System angelegt. Beim Verbrauch löst das System eine Nachbestellung aus — bei dem Lieferanten, der dort hinterlegt ist.
Damit sind Sie im Beschaffungsprozess, ohne jedes Mal gewinnen zu müssen. Das ist der eigentliche Wert, und er entsteht unabhängig davon, ob der Bestand Ihnen oder dem Kunden gehört.
Entsteht die Position dagegen erst später aus einer Notbeschaffung, wird sie mit dem Lieferanten angelegt, der in dem Moment liefern konnte. Derselbe Mechanismus, nur ohne Sie.
Wenn mehr Bestand die Verfügbarkeit senkt
Die Reaktion auf einen Engpass ist häufig, den Bestand breit auszuweiten — mehr Positionen, größere Mengen. Das kann die Verfügbarkeit verschlechtern.
Ein breites Lager ohne gepflegte Bestandsführung erzeugt Positionen, deren tatsächlicher Bestand niemand kennt. Im Ernstfall wird nach einem Teil gesucht, das laut Liste vorhanden ist und sich nicht auffinden lässt — und die Beschaffung startet später als ohne Lager. Dazu kommt Alterung: Elastomere und bestimmte Komponenten haben eine begrenzte Lagerfähigkeit, und ein Teil, das seit Jahren liegt, ist nicht unbedingt einsatzfähig.
Wirksam ist nicht die Breite, sondern die Pflege: wenige, richtig ausgewählte Positionen mit verlässlichem Bestand und dokumentierter Lagerdauer. Zehn Positionen, die stimmen, schlagen hundert, bei denen niemand sicher ist. Wenn Sie Ihre kritischen Positionen benennen können, sehen wir uns an, welche Variante für sie trägt — Beschaffungsgespräch. Wer die Teile am Ende bestellt, steht unter Ersatzteilbestellung.