Werksabnahme (FAT) in Korea: Ablauf, Teilnehmer und was im Protokoll stehen muss
Eine Werksabnahme bei einem koreanischen Hersteller dauert für ein einzelnes Gerät in der Regel einen Tag, für ein Skid oder eine Baugruppe zwei bis drei. Der Ablauf ist in fast allen Werken derselbe: Kick-off im Besprechungsraum, Prüfung der Dokumentation, danach die Prüfungen am Gerät nach dem vereinbarten Inspection and Test Plan, am Ende Punch List und Unterschrift. Entschieden wird der Termin aber nicht am Prüfstand. Er wird vorher entschieden — an der Frage, was im Abnahmeprotokoll stehen muss und wer es unterschreiben darf.
Der Tagesablauf, wie er in koreanischen Werken üblich ist
Die Einladung kommt schriftlich, mit Gerät, Auftrags- und Positionsnummer und den geplanten Prüfungen. Die Vorlauffrist gehört in die Bestellung; üblich sind zwei bis vier Wochen. Ohne diese Klausel erreicht Sie der Termin regelmäßig so spät, dass eine Anreise nicht mehr planbar ist.
- Kick-off, 30 bis 60 Minuten: Abgleich von Bestellspezifikation, Revisionsstand der Zeichnungen und ITP. Hier wird schriftlich festgehalten, welche Punkte an diesem Tag tatsächlich geprüft werden.
- Dokumentenprüfung, oft der längste Block: Werkstoffzeugnisse nach EN 10204, Schweiß- und Wärmebehandlungsnachweise, NDT-Berichte, Kalibrierscheine der eingesetzten Prüfmittel.
- Prüfungen am Gerät: Sicht- und Maßkontrolle, Druckprüfung, Dichtheitsprüfung, Funktions- und Stellungsprüfung, je nach Umfang Werkstoffnachweis am Bauteil.
- Punch List: jeder offene Punkt nummeriert, mit Verantwortlichem und Frist.
- Protokoll und Freigabe: Unterschriften, Kopien der Prüfaufzeichnungen, Festlegung, ob die Freigabe uneingeschränkt gilt.
Legen Sie die Reise um den koreanischen Werkskalender. Um Seollal, das Mondneujahr, und um Chuseok im Herbst stehen viele Werke mehrere Tage still; beide Termine verschieben sich jährlich mit dem Mondkalender. Dazu kommt vielfach ein Betriebsurlaub Ende Juli oder Anfang August. Ob für die Einreise eine elektronische Genehmigung nötig ist, ändert sich immer wieder — prüfen Sie das kurz vor Reisebeginn und nicht bei der Terminzusage.
Wer teilnimmt und wer was freigeben darf
Auf Herstellerseite führt der QA- oder QC-Verantwortliche durch den Termin. Dazu kommen das Prüfstandspersonal und meist jemand aus der Projektabwicklung, der übersetzt und mitschreibt. Auf Ihrer Seite stehen der Einkauf, je nach Gerät ein Fachplaner, bei Bedarf ein Inspektor einer Prüfgesellschaft, gelegentlich der Endkunde.
Klären Sie vorher, mit wem Sie es überhaupt zu tun haben. Wenn die Bestellung über ein Handelshaus läuft, ist Ihr Vertragspartner nicht zwangsläufig der Fertiger, und die Zusagen am Prüfstand kommen dann von jemandem, der die Fertigung nicht steuert. Wer hinter einem Gerät als Hersteller steht, lässt sich auf den Partnerseiten nachvollziehen.
Zwei Grenzen Ihrer eigenen Rolle sollten vor der Reise feststehen. Erstens: Eine technische Abweichung können Sie am Prüfstand nicht abnehmen. Eine Konzession braucht die Zustimmung der Fachabteilung, die die Spezifikation verantwortet, sonst steht am Ende eine Unterschrift, die intern niemand deckt. Zweitens: Die Freigabe einer Third-Party-Inspection ersetzt Ihre eigene nicht automatisch. Was der Inspektor bestätigt, steht in seinem Auftrag — nicht mehr.
Zum Ablauf im Werk gehören zwei praktische Punkte, die oft erst am Werkstor auffallen. Fotografieren ist in vielen Betrieben genehmigungspflichtig, weil auf derselben Fläche Geräte anderer Kunden stehen; das klären Sie mit der Einladung. Und bei der Druckprüfung stehen Besucher hinter der Absperrung. Abgelesen wird der Prüfdruck am kalibrierten Manometer und am Schreiberstreifen, nicht am Gerät.
Die Dokumentenprüfung entscheidet mehr als der Prüfstand
Am Gerät sehen Sie an einem Tag wenig, was Sie nicht schon aus den Unterlagen wissen. Der Teil, der später trägt, ist die Papierlage. Verlangen Sie zu jedem Prüfergebnis das Prüfmittel: Gerätenummer, Gültigkeit der Kalibrierung, Rückführbarkeit. Ein Messwert ohne identifizierbares Prüfmittel ist im Streitfall wertlos, und genau dieser Kalibrierschein fehlt in Protokollen am häufigsten.
Eine koreatypische Hürde ist die Sprache der Aufzeichnungen. Prüfberichte für Exportaufträge kommen meist auf Englisch, interne Fertigungs- und NDT-Aufzeichnungen häufig auf Koreanisch und mit Bezug auf KS-Normen. Schreiben Sie in der Bestellung fest, dass alle Nachweise, die in die Anlagendokumentation gehen, zweisprachig oder auf Englisch ausgestellt werden. Nachträglich übersetzt sie niemand mehr.
Welche Prüfungen überhaupt sinnvoll sind, hängt am Gerätetyp: Bei Regelarmaturen und Dampfumformern liegt der Schwerpunkt auf Dichtheit, Kennlinie und Stellzeiten, bei einer Fertigungsanlage auf Funktionsläufen und Taktzeiten. Eine Übersicht der Gerätetypen finden Sie unter Produkte. Eine Demontage zur Innenbesichtigung findet nur statt, wenn sie als Hold Point im ITP steht — geöffnet wird sie vom Personal des Herstellers, nicht spontan während des Rundgangs.
Was im Abnahmeprotokoll stehen muss
Das Protokoll, das Ihnen vorgelegt wird, ist oft ein Formblatt mit Häkchen. Es ist unterschriftsreif und trotzdem leer. Die folgende Gegenüberstellung zeigt, welche Zeile fehlt und was genau diese fehlende Zeile später kostet.
| Eintrag | Was meist im Protokoll steht | Was fehlt, wenn niemand nachfragt | Was das später kostet |
|---|---|---|---|
| Prüfling | „Ventil DN 100 geprüft“ | Fabriknummer, Positionsnummer der Bestellung, Chargen der druckführenden Teile | Das geprüfte Gerät ist dem gelieferten nicht eindeutig zuzuordnen |
| Prüfmittel | „Druckprüfung bestanden“ | Gerätenummer und Kalibrierdatum von Manometer und Schreiber | Das Ergebnis ist bei einer Reklamation nicht belastbar |
| Prüfbedingungen | „Dichtheitsprüfung i. O.“ | Medium, Prüfdruck, Haltezeit, zugrunde gelegtes Regelwerk | Streit darüber, ob nach der bestellten Norm geprüft wurde |
| Messwerte | „kein Leck festgestellt“ | Gemessene Leckrate gegen die geforderte Klasse | Bei Leckage im Betrieb fehlt der Ausgangswert für den Vergleich |
| Abweichungen | nichts, weil „bestanden“ | nummerierte Punkte mit Verantwortlichem und Frist | Offene Punkte verschwinden zwischen Abnahme und Versand |
| Freigabe | eine Unterschrift | uneingeschränkt oder unter Vorbehalt, und wer den Vorbehalt aufhebt | Die Ware verlässt das Werk, bevor die Bedingung erfüllt ist |
Eine Frage gehört zusätzlich geklärt, und zwar vor der Reise: Ist die Werksabnahme vertraglich eine Abnahme oder nur eine Versandfreigabe? Das ist keine Formalie. Davon hängt ab, was Ihre Unterschrift an diesem Tag auslöst.
Punch List: erledigt, offen, oder „wird nachgereicht“
Der dritte Zustand ist der gefährliche. Eine Punch List hat nur zwei belastbare Zustände. „Wird nachgereicht“ klingt nach einer Kleinigkeit und ist der Punkt, an dem die meisten Abnahmen später auseinanderfallen. Legen Sie zu jedem offenen Punkt fest, womit er als geschlossen gilt — ein Prüfbericht, ein Foto der Nacharbeit, ein korrigiertes Zeugnis — und wer diesen Nachweis annimmt. Die Freigabe unter Vorbehalt braucht dieselbe Behandlung: Bedingung, Frist, Name.
Mit der Freigabe laufen Konservierung, Verpackung und Verladung an. Was dafür schon in der Bestellung stehen muss, damit das geprüfte Gerät den Zustand bis zum Bestimmungshafen hält, steht unter Logistik.
Wenn das Protokoll dünn bleibt: was ein halbes Jahr später fehlt
Der Verlust am Abnahmetag ist klein. Eine halbe Stunde länger im Besprechungsraum, sechs zusätzliche Zeilen im Formblatt. Weil er so klein ist, wird er fast immer weggelassen. Sichtbar wird er erst dort, wo er sich sammelt.
Nach zwei Monaten kommt die Ware an, und der Wareneingang findet eine Abweichung. Ohne Fabriknummer und Chargenangabe im Protokoll ist nicht mehr zu klären, ob das Gerät so das Werk verlassen hat oder unterwegs beschädigt wurde. Nach einem halben Jahr läuft die Inbetriebnahme, eine Armatur leckt über der geforderten Klasse, und es gibt keinen Ausgangswert, gegen den man messen könnte. Aus einem Gewährleistungsfall wird eine Kulanzverhandlung.
Die nachzureichenden Dokumente kommen in dieser Zeit oft gar nicht mehr. Der Projektabwickler beim Hersteller hat gewechselt, der Auftrag ist abgerechnet, und niemand fühlt sich zuständig. Gebraucht werden die Unterlagen genau dann, wenn der Endkunde die Übergabedokumentation verlangt — und dann steht der Einkauf dafür gerade, nicht der Hersteller.
Am längsten wirkt der interne Teil. Wenn die Revision nach einem Jahr fragt, warum dieser Lieferant gewählt wurde, ist das Abnahmeprotokoll häufig der einzige Beleg, dass überhaupt geprüft wurde. Ein Blatt mit Häkchen trägt diese Frage nicht. Die Folge ist selten ein Konflikt, sondern etwas Stilleres: Der Lieferant wird bei der nächsten Vergabe nicht mehr vorgeschlagen, weil niemand die Begründung noch einmal aufbauen will. Der Preisvorteil, der die Beschaffung in Korea überhaupt ausgelöst hat, verschwindet dann in einer Entscheidung, über die nie jemand diskutiert.
Schicken Sie uns den Prüfumfang und die Spezifikation des Geräts, dann erhalten Sie einen Terminvorschlag für die Werksabnahme und die Liste der Nachweise, die der Hersteller dafür bereitstellen muss: Kontakt.